SYLVAIN DARRIFOURCQ

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Das aufstrebende belgisch-französische Dreiergestirn bündelt mit ihrem Debütalbum „God at the Casino“ Bemerkenswertes. Der belgische Saxofonist Manuel Hermia verbindet die Errungenschaften des klassischen Free Jazz mit indischer und arabischer Musik. Er ist Bansurispieler aus Passion und frönt dieser besonders in den Gruppen Slang und Orchestra Nazionale Della Luna. Der französische Cellist Valentin Ceccaldi, eine Hälfte der allgegenwärtigen Ceccaldi-Brüder, verfügt auf seinem Instrument über eine Bandbreite, die von Heavy Metal-Texturen über bläserartige Elemente und Perkussionsgewitter bis hin zu afrikanischen Basslautenklängen reicht – was er energiegeladen einzusetzen weiß. Schlagzeuger Sylvain Darrifourcq ist in eigenen Gruppen wie IN LOVE WITH oder Shapin’ With MILESDAVISQUINTET! innig mit den Ceccaldi-Brüdern verschränkt. Er nimmt die Dinge mit Humor und ist dabei ein ebenso gnadenloser wie kreativer Schlagzeuger, bei dem Physisches und Poly Speed großgeschrieben werden. Reicher Boden also für sinnliche Unterhaltung. In dieser Dreieinheit entwickelt sich alles spielerisch und spannungsgeladen aus wenigen Partikeln – sei es ins Hochexplosive mündend oder in die Tiefe des Raumes reichend, den sie zum Leuchten bringen. God at the casino; nicht mehr, nicht weniger.

JAZZFEST BERLIN

Zur Free Improvisation gehören Industrie- und Umgebungsgeräusche, sich jagende Töne und eindringliche Momente der Stille. Diese Richtung entstand in den späten 1960er Jahren als eine Art Anti-Tune-Guerilla. In den letzten Jahren begann sie nun, eigene wirkungsvolle Melodien zu produzieren. Der französische Schlagzeuger Sylvain Darrifourcq ist ein erstaunliches Original, und sein Repertoire verfügt über die ganze spitze, knisternde Energie der Improvisation, wobei die Spontanität durch eine sehr durchdachte Struktur ausbalanciert wird. Sein In Bed With-Trio (mit dem Keyboarder Kit Downes und dem Gitarristen Julien Desprez) zeigte die Methode in einem prägnanten Set mit dem Ensemble Vortex. Das erste Stück mischte spastische Grooves mit grimmigem Heavy Metal-Getöse, ein Schlagzeugmotiv wie eine tickende Uhr war der Übergang zum nächsten Stück mit Crescendo, auf das eine melodische Gitarrenlinie folgte, die freundlich auf- und abstieg, bevor sie von einem knarrenden Groove übertönt wurde. Ein geradezu mathematischer Stakkato-Rhythmus lockte panflötenartige Rufe aus Downes‘ Elektronik und schuf eine Trip Hop-artige Trance, worauf ein schnelles und launenhaftes Rockarrangement die Zuhörer aus dem Off auf die Folter spannte.

THE GUARDIAN